Beim dieswöchigen Webmasterfriday stellt Mirco die Frage, ob Social Media ein Muss ist. Und auch wenn heute nicht mehr Freitag ist ;) möchte ich mich gerne an einigen Gedanken zum Thema versuchen. Ich wollte schon “Antworten” schreiben… aber ich denke, die eine Wahrheit gibt es bei dem Thema nicht. Zu variabel sind die Menschen, Unternehmen und Zielgruppen, die bedacht werden müssen.

Gehen wir mal von Unternemen aus:

Muss ich immer und überall dabei sein, um Erfolg zu haben?

Bei vielen Firmen ist es mittlerweile auch in den Köpfen vieler Entscheider angekommen, dass es “da im Web-dings-da” noch weitere Kanäle gibt, über die man die Zielgruppen erreichen kann. Und wenn man dann schonmal dabei ist, wird gleichzeitig eine Facebook Fanpage (“Da sind doch jetzt alle”), ein Twitteraccount, ein Youtubechannel und und und angelegt. Richtig gepflegt macht dies ja auch durchaus Sinn. Leider sieht die Realität jedoch anders aus: da werden Werbeslogans und möglichst “hippe” (man will ja die “jungen, internetaffinen erreichen”) Sprüche rausgeballert. Am besten noch auf allen Kanälen gleichzeitig im selben Wortlaut – wozu gibt es schließlich solche tollen Apps, bei denen man einfach nur #fb anhängen muss.

Ich muss zugeben: ich bin bekennende Verfechterin der Möglichkeiten, die das Social Web für eine offene Öffentlichkeitskommunikation – auf  Augenhöhe (wie es so schön heißt) – bietet.  Aber die Fragen, die sich jedes Unternehmen vor einer Großoffensive mit großem Tamtam und Brimborium stellten sollte sind:

  1. Wer ist eigentlich meine Zielgruppe
  2. Finde ich meine Zielgruppe im Social Web und wenn ja – WO?
  3. Wie kann ich meine Zielgruppe dort erreichen und last but not least
  4. Was erwarte ich mir von dem Einsatz von Socia Media?

Kommen wir zur ersten Frage: Wer ist eigentlich meine Zielgruppe?

In jeder klassischen Außenkommunikation (ich sage ganz bewusst nicht Werbung, aber dazu später) stellen sich die Verantwortlichen (oder sollten sich zumindest stellen) die Frage, wer eigentlich erreicht werden soll. Genau dies sollte auch vor dem Einsatz von Social Media gemacht werden. Wild drauf los rennen, aus Angst etwas zu verpassen, ist nicht der richtige Weg. Möchte ich mit dem, was ich anbiete, eher Schüler. Studenten oder junge Erwachsene ansprechen? Oder ist meine Zielgruppe doch eher im gesetzteren Alter zu finden? Sind es eher die jungen Akademiker oder die Handwerker? Sind es Privatpersonen oder Unternehmen, die ich erreichen möchte?

Normalerweise sollte diese Frage grundsätzlich bereits bei der Produktentwicklung gestellt werden (schließlich möchte man ja am Ende auch etwas verkaufen), doch schadet es nicht, diese immer wieder mal zu überprüfen.

Denn die Beantwortung der Frage WEN ich eigentlich erreichen will führt zur zweiten Frage:

Finde ich meine Zielgruppe im Social Web und wenn ja – WO?

Klar, 400 Millionen+ Nutzer ist eine imposante Zahl. Blöd nur, wenn man großen Aufwand betreibt – und dann leider keinen einzelnen Interessenten erreicht. “Aber warum denn nur, bei den anderen klappt es doch auch?” wird sich da der ein oder andere fragen. Nun ja, nicht selten ist die Antwort: weil keiner (oder kaum einer) in genau diesem sozialen Netzwerk vertreten ist.  Deswegen sollte man sich ruhig ein wenig Zeit nehmen zu recherchieren, ob denn die Zielgruppe im Netzwerk der Wahl aktiv ist und wenn nicht: wo dann?

Neben einigen Daten der AGOF zum Thema, die insbesondere bei sehr regional ausgerichteten Unternehmen von Interesse sein könnten, kann man auch einfach mal die Interessen – für  die man die entsprechenden Produkte / Dienstleistungen anbietet – in den jeweiligen Netzwerken suchen . Gibt es keine  Nutzern, die die entsprechenden Interessen als Hobbies und co angegeben haben, sollte man vielleicht die Wahl des Netzwerkes noch einmal überdenken.

Mit Blick auf das eigene Angebot – und die eventuelle Szene die man damit bedienen möchte – könnte es erfolgsversprechender sein, sich eher an kleine, zielgerichtete Netzwerke zu halten anstatt mit Facebook und co einen Rundumschlag zu versuchen. Zwar ist die Gesamtzahl der Nutzer bei Facebook wesentlich größer und imposanter.  Aber bei kleinen, dafür auf die Zielgruppe angepassten Netzwerken ist die Wahrscheinlichkeit, mit einer guten Nutzung der Kanäle Aufmerksamkeit bei den relevanten Personen zu erhalten wesentlich höher.

Die Chancen von Social Media liegen für Untenehmen ja gerade in der Möglichkeit, direkt und (weitestgehend) ohne Streuverluste mit der Zielgruppe zu kommunizieren.

Die Zielgruppe ist gefunden und das passende Netzwerk/Netzwerke auch. Im nächsten Schritt steht also

Wie kann ich meine Zielgruppe dort erreichen?

Ich mache jetzt nicht den Versuch, die goldene Regel aufzustellen, wie es bestimmt und unter Garantie klappt. Garantien gibt es nicht. Aber einige Hinweise sollten doch beachtet werden:  Soziale Netzwerke sind KEINE Homeshopping-TV Kanäle in schriftlicher Form!  Deswegen sollte auch vermieden werden, so ziemlich jeden Beitrag, seien es Tweets bei Twitter, Statusnachrichten bei Facebook, StudiVZ und co oder Videos bei Youtube, Clipfish etc – für eine Werbeaussage zu nutzen á la : Ach und wusstet ihr schon, wir sind die besten und kommt doch zu uns, da gibt es die besten/billigsten/hippsten… BliBlaBlubb.. Sorry, aber anders kann man solche Aussagen nicht werten. Sie sind austauschbar und verführen keinen dazu, die Beiträge zu lesen – geschweige denn zu empfehlen.

Auch wenn es schon oft geschrieben wurde… so bleibt es doch wahr: wenn ihr kommuniziert dann seid authentisch und bietet Inhalte. Bietet eurer Zielgruppe einen Anreiz, euch zu folgen und nach Möglichkeit sogar selbst aktiv teilzunehmen – zum Beispiel durch Diskussionen, Kommentare oder Teilnahme an Aktionen. Werbebotschaften sind jedoch weder authentisch noch bieten sie für die Nutzer irgend einen Mehrwert. Sie sind schlicht und ergreifend nervig und führen eher zu Vermeidung denn zu Aktion.

Damit kommen wir zum letzten Punkt:

Was erwarte ich mir von dem Einsatz von Socia Media?

Mal ganz abgesehen davon, dass Social Media auch für SEO hilfreich sein kann ;) – bietet der Einsatz von Netzwerken noch viele Vorteile.

Aber: um es einmal klar zu sagen: Social Media ist NICHT direkte Verkaufsgenerierung da.  Kein (oder sagen wir so gut wie keiner) Nutzer wird nach einer Werbeaussage, die er bei Facebook gelesen hat, sofort losrennen (oder klicken) und sich ein Produkt kaufen.

Wozu sich dann die Arbeit machen?

Nun ja… zum einen: auch wenn man selbst nicht aktiv im Social Web sein sollte, heißt es nicht, dass man nicht selbst Thema ebendort ist. Trigema Chef Wolfgang Grupp hat erst vor wenigen Tagen die Erfahrung recht überraschend – für ihn – machen müssen, welche Kräfte Social Media entwickeln kann.  Je aktiver man selber im Netzwerk integriert und tätig ist, desto schneller kann auch auf unbequeme Tatsachen reagiert werden – dies sollte jedoch nicht mit einem Verbot oder ähnlichem passieren sondern mit einer möglichsten offenen Kommunikation (zu dem Thema aber demnächst mal mehr).

Social Media Netzwerke bieten die Chance, die eigenen Kunden an sich zu binden – bei begeisterten Nutzern, die dies auch weitersagen auch neue Interessenten gewinnen (Stichwort Mundpropaganda und Meinungsführerschaft),  beim aufmerksamen “zuhören” kann man neue Ideen für die eigenen Produkte mitnehmen (oder dies im Rahmen von “Crowdsourcing” sogar forciert nutzen).

Mal ganz abgesehen davon, dass begeisterte Fans durchaus im zweiten Schritt, wenn dann doch mal eine Kaufentscheidung ansteht, vermutlich zum eigenen Produkt greifen  ;)

Fazit

Social Media kann ein sehr wirkungsvoller Kanal sein. Wenn man ihn richtig nutzt und mit den richtigen Erwartungen ran geht. Dabei ist es aber nicht notwendig, immer und überall dabei zu sein. Es zählt, in den richtigen Netzwerken zu sein – nicht in den größten und hippsten. Und wenn man Social Media nutzt, dann richtig, mit Herz und Seele und auch mit Zeit.

Und wo wir gerade dabei sind: ein kleiner Tipp zum Schluss :  Fleischerei Scheller – ein Twitterer, der es charmant versteht, den Kanal zu nutzen und direkt Lust auf mehr macht ;)

Guter / nützlicher Beitrag? Voten Sie bitte bei SEOigg: SEOigg it! Vielen Dank.